Verner Panton – Der Mann, die Möbel, die Zukunft

Titelbild Panton

Verner Panton war nicht nur irgendein Möbeldesigner, er war einer der erfolgreichsten Möbeldesigner unserer Zeit. Der in Dänemark geborene Panton entwickelte bereits in jungen Jahren, als Assistent des berühmten Innenarchitekten Arne Jacobsen und in Zusammenarbeit mit diesem, einen Stuhl, der unter dem Namen „Ameise“ bekannt ist. Jeder von Ihnen hat bereits auf diesem Stuhl Platz genommen, vielleicht ohne es zu wissen.

Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Design-Awards und sogar einen Ritterorden der dänischen Königin. Die Liste seiner Verdienste ist lang. So wurden seine Möbelstücke und Interieurs unter anderem in Museen wie dem „Louvre“ oder dem „Metropolitan Museum of Modern Art“ gezeigt. Einer seiner Stühle, der Panton-Chair, stahl sogar 1990 der nackten Kate Moss auf dem Cover der „Vogue“ die Schau. Auf der Kölner Möbelmesse stand ihm 1970 ein kompletter Showroom zur Verfügung, in dem er „Visiona II“ vorstellte – ein Raumkonzept, welches gegen alle Gesetze verstieß und komplett neue Wege ebnete. Der Däne war Zeit seines Lebens Experte für Farben und war sich ihrer Wirkung auf den Menschen bewusst. Generell war Verner Panton, der 1998 verstarb, seiner Zeit immer einen Schritt voraus – im positiven Sinne, versteht sich. Er schuf mitunter Möbel auf mehreren Ebenen, die vertikal nach oben gingen, um in den engen Raumaufteilungen von beispielsweise Hochhäusern Platz zu sparen. Er entwickelte Konventionen für Räume komplett neu.

Aber nicht nur bei Raumkonzepten war der dänische Designer zukunftsorientiert, sondern auch im Bereich Material. Er experimentierte bereits 1957 mit Kunststoff, was für die damalige Zeit extrem fortschrittlich war. Für die Namen seiner Einrichtungsgegenstände spielte Verner Panton häufig mit seinem Namen und kreierte Möbel wie „Pantonic“, „Pantoflex“ oder „Panto Pendel“.

Freischwinger

Der erste Panton-Chair bestand noch aus Holz. (Quelle: istockphoto)

Bekannt wurde er zunächst durch das Design des „Cone Chair“. Premiere feierte der Stuhl, der scheinbar gegen sämtliche physikalische Gesetze verstieß, in der Bar seines Vaters, welche er einrichten durfte. Pantons Vater erkannte früh das Talent seines Sohnes und förderte ihn in allem, was er tat. Vom Interieur über die Farben der Wände bis hin zur Kleidung des Personals war alles in dem Lokal perfekt aufeinander abgestimmt. Der kegelförmige Stuhl, ein Clubsessel, überzeugte durch die geometrische Form, die es bis dato noch nicht bei Möbeln gab. Der Cone Chair, dessen Spitze nach unten zeigt und sich nach oben als Sitzfläche öffnet, wurde in vielen Variationen immer wieder neu aufgelegt, unter anderem aus einen Drahtgeflecht, genannt „Wire Cone Chair“, und als Barhocker, der sich „Cone Bar Stool“ nennt.

Der innovative Künstler war nun weltberühmt und musste nachliefern, was er auch tat. Der Freischwinger S ist ein Stuhl ohne Hinterbeine, wodurch die Sitzfläche „frei schwingt“. Die S-förmige Sitzgelegenheit wurde aus unter Dampfdruck geformten Sperrholzplatten gefertigt, was die futuristische Form erlaubte.

Trotz des Erfolges verwendete Panton lieber künstliche Rohstoffe und erforschte lange diverse Materialien, bis er eine Kunststoffmischung fand, mit der ein Prototyp des Panton-Chair gebaut werden konnte. Häufig bekam er zu hören, dass die Produktion eines solchen Möbelstücks unmöglich sei, doch er hielt an seiner Idee fest. Mit dem schweizerischen Unternehmen „Vitra“ gelang 1967 die Serienproduktion des aus einem Stück gefertigten Kunststoffstuhls – 10 Jahre nach dem ersten Entwurf. Mit diesem Monoblock-Freischwinger wurde Verner Panton dann endgültig zu einem der bedeutendsten Designer des 20. Jahrhunderts und führte Pop-Art in die Möbelwelt ein. Er nutzte alle Möglichkeiten, die Kunststoff ihm bot, aus und konnte so die Stühle aus einem Guss fertigen lassen, wodurch es realisierbar wurde, eine kurvige Auswölbung in der Fußpartie, statt einer Standplatte, zu verwenden. Viele Kritiker konnten Ende der Sechzigerjahre nichts mit dem zukunftsorientierten Design und der Fertigung aus Kunststoff anfangen und werteten die Möbel als nicht zeitgemäß und zu ausgefallen, doch dass sie heute – über Vierzig Jahre später – immer noch produziert werden, beweist das Gegenteil.

Stühle aus Kunststoff

Der Panton Chair ist ein vielen verschiedenen Farben erhältlich. (Quelle: istockphoto)

Der zu dieser Zeit in Basel lebende Panton entwarf 1969 die Inneneinrichtung des „Spiegel“-Verlagshauses in Hamburg, welches einer seiner größten Aufträge war. Das revolutionäre Design ist nach einigen Umbauten und Umzügen teilweise noch erhalten geblieben. Jeder Flur vom Erdgeschoss bis in die zehnte Etage hatte sein eigenes Farbkonzept, welches zusammen aber ein Ganzes ergab. Abends konnte durch die Glasverkleidung des Gebäudes ein einzigartiges Spiel der Farben bestaunt werden. Die Kantine, die seit 1998 unter Denkmalschutz steht, wurde nach dem Umzug in den Hamburger Hafen teilweise mitgenommen und zu einer Snackbar umgewandelt. Der Rest des Speisesaals steht im Museum und kann nun erstmals von der Öffentlichkeit begutachtet werden. Vorher war der Speisesaal „Spiegel“-Mitarbeitern vorbehalten.
Abgesehen von dem Verlagshaus in Hamburg entwarf Panton auch für einige andere Häuser die Inneneinrichtung. Auch für ein großes Zirkusgebäude in Kopenhagen nahm er das Ruder in die Hand und gestaltete eine einzigartige Kuppel für den Zuschauerraum.

Space-Designs, die an den Weltraum erinnern, so wie wir ihn uns vorstellen, gehörten zu Pantons liebsten Arbeiten. Meisterwerke wie der „Pantower“ oder eine komplette Wohnlandschaft aus Schaumstoffmodulen waren dabei nur ein kleiner Teil seiner Leistung.
Der erklärte Freund psychedelischer Formen und Farben entwarf unter anderem auch zahlreiche andere Einrichtungsgegenstände wie Teppiche und Lampen. Lampen, wie die „Moon Lamp“ von 1960, die aus mehreren Lamellen besteht, die ballförmig in verschiedenen Abständen angebracht sind, werden heute noch hergestellt. Auch das Design der „Pailletten-Lampen“ ist in jedem Kaufhaus zu finden. Wahlweise sind hier runde Pailletten aus Metall oder Muscheln durch Metallringe an unterschiedlich langen Ketten befestigt, die bei einem leichten Windhauch sanfte Klänge im Raum verteilen. Der Lichtschein im Raum steht durch die bewegliche Lampe niemals still und belebt selbst den tristesten Raum.

Sein Lebenswerk wird in diversen Retrospektiven und Bildbänden geehrt. In Weil am Rhein wurde zuletzt der „Verner-Panton-Weg“ eingeweiht und seine Arbeiten inspirieren Innenarchitekten und Möbeldesigner immer wieder aufs Neue.

Alle seine Werke sind im offiziellen Referenzportal zu sehen.

(Quelle Titelbild: istockphoto)

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